Hallo zusammen,
ich kämpfe seit Jahren mit einem wiederkehrenden Problem und hoffe auf eure Einschätzung. Von zehn Geschäftsideen, die ich entwickle, scheitern etwa neun bereits in der Validierungsphase. Das frustriert mich ziemlich.
Mein typisches Vorgehen: Ich habe eine Idee, recherchiere den Markt oberflächlich, erstelle einen groben Businessplan und fange dann an, potentielle Kunden zu befragen. Dabei stelle ich fest, dass entweder das Problem nicht existiert, die Lösung nicht gewünscht wird oder die Zahlungsbereitschaft fehlt.
Jetzt überlege ich, ob ich möglicherweise systematische Fehler mache. Vielleicht liegt es an meiner Herangehensweise bei der Zielgruppenbestimmung? Ich definiere oft sehr breite Zielgruppen wie "KMUs mit 10-50 Mitarbeitern" oder "Senioren ab 65". Könnte das zu unspezifisch sein?
Aktuell arbeite ich gerade an einer Idee rund um intelligente Klimasteuerung für kleinere Büros - passend zum Sommer und den steigenden Energiekosten. Aber auch hier bin ich unsicher, ob ich die richtige Zielgruppe treffe.
Wie geht ihr bei der Zielgruppenanalyse vor? Macht ihr bestimmte Validierungsschritte, die ich übersehe? Würde mich über eure Erfahrungen freuen.
Viele Grüße
Werner
Grundsätzlich hat Sarah recht mit der Zielgruppe, aber ich glaube das ist nur ein Teil vom Problem.
Du schreibst, du machst "oberflächliche" Marktrecherche - da liegt wahrscheinlich schon der erste Fehler. Bevor ich auch nur eine Minute in Kundengespräche investiere, schaue ich mir an: Gibt es bereits Lösungen? Wie groß ist das Problem wirklich? Wer zahlt heute schon Geld dafür?
Bei deiner Klimasteuerung zum Beispiel: Der Markt ist ziemlich umkämpft. Nest, Tado, verschiedene B2B-Anbieter... da würde ich erstmal schauen, wo die alle scheitern oder welche Nische noch frei ist.
Mein Rat: Investier mehr Zeit in die Vorab-Recherche. Manchmal ist es besser, eine Idee früh zu begraben als Wochen mit sinnlosen Interviews zu verbrennen.
Ich seh das anders als die beiden vorherigen Antworten.
90% Scheitern-Quote ist eigentlich normal! Das zeigt nicht, dass du was falsch machst, sondern dass du viele Ideen testest. Das ist gut so.
Das Problem ist eher die Erwartungshaltung. Erfolgreiche Gründer haben auch hohe Fail-Rates bei der Ideenvalidierung - sie reden nur nicht darüber. In einem anderen Thread haben erfahrene Leute erklärt, welche Bereiche sie komplett meiden - das zeigt, wie viel Selektion da passiert.
Mein Tipp: Ändere deine Herangehensweise nicht komplett, sondern optimiere sie. Vielleicht weniger Ideen parallel testen, aber dafür tiefer in die Validierung gehen. Und: Scheitern in der Validierung ist viel besser als nach dem Launch zu scheitern.
Hi Werner,
dein Problem kenne ich gut - hatte ähnliche Herausforderungen bei meinen ersten SaaS-Projekten. Du hast den Hauptpunkt schon selbst erkannt: zu breite Zielgruppen sind oft der Killer.
Meine Erfahrung: Statt "KMUs mit 10-50 MA" solltest du spezifischer werden wie "Steuerberatungskanzleien mit 15-25 MA in Ballungsräumen". Je enger die Definition, desto besser kannst du das echte Problem verstehen.
Bei der Klimasteuerung würde ich nicht bei "kleineren Büros" stoppen, sondern fragen: Welche Branchen haben besonders hohe Klimatisierungskosten? Arztpraxen? Coworking Spaces? Dann gezielt dort validieren.
Ein Tipp aus einem früheren Thread: Ich führe mittlerweile mindestens 30 Interviews in einer sehr spezifischen Nische, bevor ich überhaupt ans Produkt denke. Und ich frage nicht "Würdest du das kaufen?", sondern "Wie löst du das Problem heute und was kostet dich das?"
Validierung ist weniger Bestätigung deiner Idee, sondern vielmehr das Problem richtig zu verstehen.