Hallo zusammen,
ich bin echt frustriert und brauche mal euren Input. Ich arbeite seit 3 Jahren daran, endlich mein eigenes Business aufzubauen, aber gefühlt 90% meiner Geschäftsideen scheitern bereits in der Validierungsphase.
Mein typischer Ablauf: Ich hab ne Idee (meist B2B-lastig wegen meines Steuer-/Rechts-Backgrounds), mache erstmal Desktop-Research, schaue mir die Konkurrenz an, erstelle Personas und führe dann Kundengespräche. Aber spätestens nach 10-15 Gesprächen stelle ich fest: kein echter Bedarf, zu kompliziert zu erklären oder die Leute wollen einfach nicht zahlen.
Aktuelles Beispiel: Digitale Compliance-Checklists für mittelständische Unternehmen. Alle sagen "ja, interessant" aber keiner will konkret werden. Letzte Woche hatte ich wieder so ein Gespräch und der Typ meinte am Ende nur "schicken Sie mal Infos, wir schauen uns das mal an". Das kenn ich schon...
Bin ich zu ungeduldig? Frage ich die falschen Leute? Oder liegt es daran, dass ich als Solo-Gründer einfach nicht die Glaubwürdigkeit hab? Vielleicht sollte ich mal den ganzen Sommer nutzen um meine Herangehensweise komplett zu überdenken.
Wie macht ihr das? Woran merkt ihr früh, ob eine Idee wirklich trägt oder nur höfliches Interesse da ist?
Hi TaxLegalPro,
das Problem kenn ich gut aus meinen ersten Jahren hier im Forum. Du machst wahrscheinlich den klassischen Fehler: Du fragst nach Meinungen statt nach konkreten Problemen und bisherigen Lösungsversuchen.
Statt "Wäre das interessant für Sie?" frag lieber: "Wie lösen Sie aktuell Problem X?" und "Was kostet Sie das jetzt an Zeit/Geld?" Wenn jemand nicht konkret beschreiben kann, was ihn das Problem kostet oder wie er es heute angeht, dann ist es kein echtes Problem.
Bei deinem Compliance-Beispiel: Frag nicht nach Interesse an Checklists, sondern wie sie heute ihre Compliance organisieren, wer dafür verantwortlich ist, was passiert wenn was vergessen wird, welche Tools sie nutzen. Erst wenn da echte Schmerzpunkte rauskommen, kannst du deine Lösung ins Spiel bringen.
Und noch ein Tipp: 10-15 Gespräche sind oft zu wenig. Bei B2B brauchst du manchmal 30-50 Gespräche bevor sich klare Muster zeigen.
Also bei mir war's genau so bis ich aufgehört hab nach "perfekten" Ideen zu suchen.
Hier hatte ich schonmal geschrieben über Franchise vs. eigene Idee - manchmal ist der "langweilige" Weg einfach besser.
Bei deinem Compliance-Ding: Hast du mal gefragt was passiert wenn sie erwischt werden? Also richtige Horror-Storys gehört? Wenn die nur sagen "ja wär schon gut" aber keine konkreten Beispiele für Probleme nennen können, dann ist da nix.
Ich würd sagen: Nimm dir den Sommer und mach mal was ganz anderes. Geh in Betriebe rein, red mit Leuten die richtig arbeiten müssen, nicht nur mit anderen Büromenschen. Da findest du oft die einfachsten aber profitabelsten Probleme.
Ich seh das Problem wo anders. Du kommst aus dem Steuer/Rechts-Bereich und entwickelst hauptsächlich B2B-Tools für... genau diese Zielgruppe. Das ist oft ein Teufelskreis.
Kennst du den Thread "Tech-Gründer will in klassische Branchen"? Da ging's um ähnliche Probleme.
Vielleicht solltest du mal komplett raus aus deiner Komfortzone. Schau dir Probleme in völlig anderen Bereichen an - Einzelhandel, Handwerk, Gastronomie. Manchmal sieht man die Lösungen erst, wenn man nicht betriebsblind ist.
Deine 90%-Quote ist übrigens nicht ungewöhnlich. Die meisten erfolgreichen Gründer haben vorher dutzende Ideen verworfen.