Hallo zusammen,
ich bin gerade in der Phase, wo ich von meinem Co-Founder und mir auf ein kleines Team hochfahren will – wahrscheinlich 3-4 Leute bis Ende des Jahres. Bisher haben wir das Ding durch Bootstrapping am Leben erhalten und ein bisschen Umsatz gemacht, aber für anständige Gehälter reicht's hinten und vorne nicht.
Meine Frage: Macht es für diese Teamphase mehr Sinn, einen günstigen Unternehmenskredit zu nehmen und damit die Leute zu bezahlen? Oder sollte ich lieber zu Business Angels gehen und ein paar Prozent abgeben?
Das Problem mit Eigenkapital ist: Ich möchte die Entscheidungsfreiheit behalten und nicht direkt mit Verwässerung leben. Gleichzeitig möchte ich aber nicht in eine Schuldenfalle laufen, wenn die Umsätze in den nächsten 6 Monaten nicht schnell genug steigen.
Wie habt ihr das gelöst, als die erste Mannschaft an den Start ging? Gibt es Schwellenwerte, ab wann man wirklich Geld von außen nehmen muss – oder ist Bootstrapping bis zum Series A theoretisch machbar?
Michael, gute Frage und da steckst du im klassischen Dilemma. Ich würde hier ehrlich sagen: Es hängt von deiner Cash-Position und deinem Revenue-Wachstum ab – nicht von der Philosophie.
Wenn ihr bereits Umsatz macht und dieser monatlich zweistellig wächst, würde ich tatsächlich zuerst bei KfW-Produkten oder Hausbankkrediten schauen. Die sind günstiger als Angels und du behältst volle Kontrolle. Das ist psychologisch auch wichtig für die Teamkultur – keine externen Stakeholder im Sitzungszimmer.
But: Wenn die Umsätze noch volatil sind oder ihr unter 10k/Monat seid, ist ein Bankkredit einfach zu riskant. Dann sind Angels oder eine kleine Seed-Runde ehrlich die bessere Wahl, weil die auch Ratschläge und Netzwerk mitbringen.
Mein Tipp: Mach eine Finanzprognose für die nächsten 18 Monate. Wenn du damit rechnen kannst, dass die Gehaltskosten nach 6-8 Monaten durch revenue gedeckt sind, nimm einen Kredit. Wenn nicht, gib lieber Anteile ab – das ist ein Investment in dein Überleben, nicht in dein Ego.
Kurz und knackig: Bei 3-4 Leuten die erste Mannschaft als Bootstrapper aufzubauen ist real, aber strapaziös. In unserem Konzern sehen wir regelmäßig Gründer, die genau hier hängen bleiben – weil die Opportunitätskosten zu hoch werden.
Meine Frage an dich: Wie lange kannst du persönlich noch 50-60 Stunden/Woche für unter-Markt-Gehalt arbeiten? Das ist oft die unsichtbare Falle. Der Kredit wirkt günstiger auf dem Papier, drückt dich aber operativ noch stärker rein. Angels sind hier oft weniger ein Geldproblem als ein Frage-nach-Momentum. Wenn du gerade explosive Chancen hast, warum nicht nehmen?