Moin zusammen,
ich beschäftige mich gerade mit der Frage, ob Revenue-based Financing (RBF) für uns eine echte Alternative zu klassischem VC sein könnte. Nach 25 Jahren im E-Commerce kenne ich natürlich die traditionellen Finanzierungswege, aber je länger ich mit jüngeren Gründern im Forum arbeite, desto mehr merke ich: Es gibt da Modelle, die ich nicht richtig durchblicke.
Bei RBF zahlt man ja prozentual vom monatlichen Umsatz zurück, bis eine Obergrenze erreicht ist – klingt für stabile, profitable Businesses interessant. Aber mich interessiert vor allem: Wie unterscheidet sich RBF wirklich im Alltag von klassischen VC-Modellen? Welche versteckten Kosten gibt es? Und wann würde ich als Gründer sagen: Ja, RBF statt Serie A macht für mich Sinn?
Besonders relevant finde ich die Frage nach der psychologischen Belastung – bei VC bin ich gewöhnt, dass nach der Finanzierung Wachstumsdruck entsteht. Beim RBF-Modell dreht sich das Rad ja auch permanent mit meinen Umsatzschwankungen. Für Teams, die ich aufbaue und an JobRad-Modellen interessiert bin, bedeutet das auch Planungsunsicherheit bei der Personalentwicklung.
Hat hier jemand praktische Erfahrung damit gemacht oder arbeitet mit RBF-Partnern zusammen?
Gute Frage, Helmuth. Aus meiner Perspektive als Controller und Angel-Investor ist RBF tatsächlich spannend, aber mit einer wichtigen Differenzierung: Bei RBF entfällt die klassische Verwässerung deiner Cap Table, was für Gründer attraktiv ist. Stattdessen zahlst du aber faktisch einen Multiplikator deines investierten Betrags zurück – oft das 1,3 bis 1,5-Fache.
Die Due Diligence für RBF ist anders als beim VC-Investment: Geldgeber hier interessieren sich viel weniger für deine Skalierungsstrategie, sondern vor allem für stabile, vorhersagbare Revenue-Streams. Das bedeutet: Wenn du hochsaisonal bist oder bei einer Plattformabhängigkeit sitzt, wird es schwierig. Ideal für euch im E-Commerce mit etabliertem Cashflow, aber nicht für die Early-Stage-Phase.
Mein Tipp: Schau dir an, ob der RBF-Partner auch wirklich Operational Support bietet – manche sind reine Kapitalgeber ohne weitere Unterstützung. Das unterscheidet sich zu einem guten VC erheblich.
Kurze Gegenfrage: Wie wichtig ist dir der Investor als Coach und Netzwerk? Bei HR-Tech und Skalierung war das für uns entscheidend – mit RBF bekommst du einfach Geld, aber nicht unbedingt die strategische Unterstützung. Bei VC sitzt zumindest jemand im Board und pusht dich voran.