Hey zusammen,
ich stecke gerade in einer Situation, die hier vielleicht viele kennen: Ich arbeite Vollzeit als Projektmanager und entwickle nebenbei meine App. Das Ganze ist noch in einem frühen Stadium, aber ich habe mittlerweile erste zahlende Nutzer und fange an, mir ernsthafter Gedanken über die steuerliche Seite zu machen.
Bisher habe ich das alles mehr oder weniger intuitiv gemacht - Einnahmen notiert, offensichtliche Ausgaben (Hosting, Tools, ein bisschen Freelancer-Kosten) gesammelt und gehofft, dass das für die Steuererklärung reicht. Aber je mehr Umsatz reinkommt, desto unwohler wird mir dabei.
Meine konkreten Fragen:
- Wie handhabt ihr das, wenn ihr noch angestellt seid und nebenbei Einnahmen habt? Getrennte Konten? Eigene Buchhaltungssoftware?
- Wann habt ihr angefangen, einen Steuerberater einzuschalten? Und lohnt sich das schon bei kleinen Beträgen?
- Wie plant ihr Liquidität, wenn die Einnahmen noch sehr unregelmäßig sind? Im Sommer läuft es bei mir tatsächlich etwas schlechter, weil gefühlt alle im Urlaub sind.
Ich will das einfach nicht auf die lange Bank schieben und dann im Herbst mit einem Steuerchaos dastehen. Würde mich freuen, wenn ihr eure Erfahrungen teilt – gerne auch was nicht funktioniert hat!
Ich verfolge das als Neuling hier sehr aufmerksam, weil mich das auch betrifft. Eine Ergänzung die ich noch nirgends gelesen habe: Habt ihr schon mal über vorläufige Steuervorauszahlungen nachgedacht? Das Finanzamt kann die irgendwann festsetzen wenn das Nebengewerbe wächst, und dann kommen plötzlich quartalsweise Zahlungen auf einen zu die man nicht eingeplant hat. Das hat mich überrascht als ich mich damit beschäftigt hab.
Stefan, das ist eine sehr vernünftige Frage und ich bin froh, dass du das frühzeitig angehst statt zu warten bis es brennt.
Aus meiner langen Erfahrung im Mittelstand kann ich sagen: Getrennte Konten sind absolut Pflicht, und zwar von Tag eins an. Nicht weil es gesetzlich vorgeschrieben ist, sondern weil du sonst schlicht den Überblick verlierst. Das ist eine Frage der Disziplin.
Zum Steuerberater: Ich würde nicht warten. Gerade im Nebengewerbe gibt es Fallstricke, die viele unterschätzen – zum Beispiel die Gewerbeanmeldung, die Auswirkungen auf deinen Lohnsteuerjahresausgleich als Angestellter, oder die Kleinunternehmergrenze. Ein gutes Erstgespräch kostet oft weniger als man denkt und spart dir im Zweifel erheblich mehr. Lieber jetzt 200-300 Euro investieren als später Nachzahlungen riskieren.
Für die Liquiditätsplanung bei unregelmäßigen Einnahmen: Ich habe früher immer mit einem Mindestpuffer gearbeitet – 2-3 Monate Fixkosten immer liquide halten, egal was. Gerade im Sommer, wenn das Geschäft etwas schläft, ist das Gold wert.
Gute Frage, das Thema hatten wir auch mal im Kontext von Due Diligence – wer da keine saubere Buchführung von Anfang an hat, steht vor einem riesigen Problem sobald Investoren reinschauen wollen. Habe dazu mal was in Due Diligence vorbereiten: Checkliste für Gründer geschrieben.
Zu deiner Situation konkret: Das Nebengewerbe ist eine klassische Konstellation. Was ich nach 15 Jahren empfehlen würde:
Erst die Struktur, dann die Tools. Bedeutet: Gewerbe anmelden (falls noch nicht), einfaches Geschäftskonto eröffnen, dann erst eine Software wie Lexoffice oder ähnliches einrichten. Viele machen es andersherum und wundern sich dann über das Chaos.
Steuerberater würde ich erst ab ca. 10.000 Euro Jahresumsatz aktiv einschalten, darunter reicht oft eine gute Software plus Steuerberater nur zur Jahreserklärung. Aber das hängt von deiner persönlichen Steuersituation ab – als Angestellter mit Nebengewerbe kann das komplexer sein als man denkt.
Kurze Gegenfrage bevor ich antworte: Hast du überhaupt schon ein Gewerbe angemeldet oder läuft das noch als Hobby-Einnahmen? Das macht einen erheblichen Unterschied für alles was danach kommt.
Weil ich sehe hier oft, dass Leute anfangen, Tipps zu Buchhaltungssoftware und Steuerberatern zu vergleichen, aber den eigentlichen Grundlagenschritt noch gar nicht gemacht haben. Wenn du zahlende Nutzer hast und das regelmäßig läuft, ist das in der Regel bereits gewerbliche Tätigkeit – unabhängig von der Höhe.
Das ist keine Kritik, aber ich finde man sollte erst klären ob die Basis stimmt bevor man über Tools redet. Die Frage nach dem Steuerberater beantwortet sich dann eigentlich von selbst: Sofort, wenn du echte Einnahmen hast.