Hallo zusammen,
ich beschäftige mich seit einigen Wochen intensiver damit, unsere Liquiditätssituation besser im Blick zu behalten. Bisher lief das eher so nach Gefühl – Kontostand anschauen, grob schätzen ob es reicht. Das ist natürlich keine solide Grundlage.
Nun möchte ich endlich eine vernünftige Cashflow-Prognose für die nächsten sechs Monate aufbauen. Ich bin kein Zahlenmensch im technischen Sinne, habe aber Grundkenntnisse in Excel und bin bereit, mich einzuarbeiten.
Meine Fragen:
- Habt ihr eigene Excel-Templates selbst gebaut oder irgendwo seriöse Vorlagen heruntergeladen?
- Lohnt sich ein spezialisiertes Tool wie Agicap, Tidely oder ähnliches, oder ist das für kleinere Betriebe übertrieben?
- Wie detailliert plant ihr – also auf Wochenebene oder reicht Monat für Monat?
- Wie geht ihr mit saisonalen Schwankungen um? Bei uns ist der Sommer traditionell etwas ruhiger (Ferienzeit, viele Entscheider nicht erreichbar), das möchte ich diesmal frühzeitig einplanen statt im August wieder überrascht zu werden.
Wir sind ein kleines kulturelles Bildungsangebot, arbeiten mit einigen freien Mitarbeitenden zusammen und haben sowohl projektbasierte als auch wiederkehrende Einnahmen. Keine komplexe Struktur, aber eben auch keine Planbarkeit wie ein klassisches Abo-Modell.
Freue mich über konkrete Erfahrungswerte, auch wenn es nur ein simples Hausmittel ist.
Viele Grüße
KulturMentor68
Hab das Thema auch mal ausführlicher behandelt, als ich über Kontoführungsgebühren und deren Dokumentation geschrieben hab – da merkt man schnell, dass Cashflow-Planung und Belegstruktur zusammenhängen.
Ich würd direkt zu einem Tool raten, kein langes Reden: Tidely hat einen kostenlosen Einstieg und verbindet sich mit den gängigen Geschäftskonten per API. Der Vorteil ist, dass die Ist-Zahlen automatisch reinkommen und du nur noch die Planwerte pflegst. Spart enorm Zeit verglichen mit manuellem Excel.
Bei projektbasierten Einnahmen wie bei euch würde ich zusätzlich eine zweite Ebene einziehen: einmal "sicher" (Verträge unterschrieben), einmal "wahrscheinlich" (in Verhandlung) und "möglich". So siehst du drei Szenarien gleichzeitig und wirst nicht überrascht.
Monatsgranularität reicht für 6 Monate völlig. Wochenplanung macht erst Sinn wenn du wirklich auf wenige Wochen Runway kommst – dann ist es aber eigentlich zu spät um noch entspannt zu planen.
Gute Frage, die ich mir selbst vor einiger Zeit auch gestellt habe. Ich arbeite seit längerem mit einem selbstgebauten Excel-Sheet – nicht weil ich besonders Excel-affin bin, sondern weil mir das die volle Kontrolle gibt was reinkommt und rausgeht.
Mein Aufbau ist relativ schlicht: eine Zeile pro erwartete Einnahme oder Ausgabe, Spalten für die Monate, dazu eine Zeile für den kumulierten Kassenstand. Was ich am Anfang unterschätzt habe: Rücklagen für Steuerzahlungen sauber einzuplanen. Die kommen quartalsweise und hauen sonst den Rhythmus durcheinander.
Zu Tidely oder Agicap – ich kenne beide oberflächlich. Für sehr kleine Betriebe finde ich den Aufwand für die Einrichtung und den Preis ehrlich gesagt nicht immer gerechtfertigt. Wenn die Struktur überschaubar ist, reicht eine gut gepflegte Tabelle oft völlig.
Den Ferieneffekt würde ich einfach als prozentualen Abschlag auf den Julimonat einplanen – basierend auf dem Vorjahr. Klingt simpel, funktioniert aber überraschend gut wenn man ein bisschen historische Daten hat.
Ich seh das etwas anders als FinTechMike33 oben. Tools mit Bankverbindung klingen praktisch, aber ich wär da vorsichtig was Datenweitergabe angeht – gerade bei kleineren Anbietern sollte man die AGBs kennen bevor man Kontodaten weitergibt. Das ist kein Grund es nicht zu nutzen, aber bitte nicht blind drauflos.