Hallo zusammen, ich bin seit knapp drei Monaten mit meinem ersten Startup live und stecke gerade in einer fiesen Situation. Der Umsatz läuft besser als erwartet, aber die Kundenrechnungen werden einfach nicht gezahlt – zwei große Kunden haben jeweils 30+ Tage Zahlungsziel, und bei einem bin ich mir sogar unsicher, ob's hinhaut.
Mein Geschäftskonto ist jetzt quasi leer. Die erste Umsatzsteuervoranmeldung wird für September fällig, und ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, wie ich das zahlen soll, wenn die Kundengelder bis dahin nicht reinkommen. Ich arbeite vollzeitig auf den Aufbau hin, habe also kein paralleles Einkommen als Puffer.
Ein Bekannter hat mir erwähnt, dass man beim Finanzamt Steuerstundung beantragen kann. Ich weiß aber nicht, unter welchen Bedingungen das funktioniert oder ob das überhaupt für Startups relevant ist. Habt ihr Erfahrung damit? Und falls ja – wie früh sollte man da tätig werden? Lieber vorausschauend oder erst, wenn's eng wird?
Freue mich über konkrete Tipps oder Erfahrungsberichte.
TimeBoost47, lass mich direkt sein: Stundung ist eher das letzte Mittel, nicht die Standardlösung. Was du wirklich brauchst, ist strukturiertes Cash Flow Management von Tag 1 an. Die Zahler-Profile deiner Kunden kennen? Deren Zahlungsgewohnheiten? Das hätte dir jetzt helfen können. Für die aktuelle Situation: Schreib die Kunden an, frag aktiv nach dem Status und ob Vorauszahlung möglich ist. Parallel: Antrag beim Finanzamt mit Dokumentation der ausstehenden Rechnungen. Aber für dein künftiges Wachstum: Dieses Zahlungsziel-Chaos sollte nicht wieder vorkommen.
Stundung? Klar. Aber denk nicht, dass das die Lösung ist – das ist ein Pflaster auf der Wunde.
Bei KfW-Förderung und Cash Flow Planung ist immer die erste Regel: Zahlungsausfälle einkalkulieren. Hast du das in deinem Plan berücksichtigt? Falls nicht, ist das jetzt eine wichtige Lernerfahrung. Zur Stundung: Ja, möglich, aber die Fristen sind hart. Antrag muss VOR Fälligkeit rein, nicht danach. Du musst also jetzt, Anfang August, schon aktiv werden für die September-Zahlung. Das Finanzamt interessiert sich vor allem für deine Kreditwürdigkeit und ob du solvent bleibst – wenn klar ist, dass es nur vorübergehend ist, geht's eher.
Ich hatte ähnliches beim Start meines Fintech-Startups. Stundung funktioniert, aber Finanzämter schauen da wirklich genau hin – die wollen belastbare Zahlen sehen. Dein Kundenmix ist wichtig: Wenn es nur zwei Kunden sind, die dich ins Minus treiben, dann ist die Stundung eher ein Gnadenakt. Meine Empfehlung: Parallel zur Stundung auch mit einem Steuerberater klären, ob eine kleine Betriebskreditlinie sinnvoll ist. Das sieht das Finanzamt auch lieber als immer wieder Stundungen. Und die Umsatzsteuer sollte eh deine erste Priorität sein – nicht mit spielen.