Als jemand der aus dem Ingenieurswesen kommt finde ich den technischen Ansatz manchmal etwas zu sehr im Vordergrund bei solchen Diskussionen. Was mir bei meinen Beobachtungen auffält: Die Leute die ohne Investoren erfolgreich gründen haben meistens eines gemeinsam – sie testen sehr früh und sehr günstig, bevor sie groß bauen.
KI-Tools können da übrigens helfen gerade beim MVP. Ich finde es faszinierend was man heute mit Cursor oder ähnlichem hinbekommt auch ohne komplettes Entwicklerteam. Für Zeiterfassung könnte man sogar erstmal mit einer KI-unterstützten Auswertung punkten die Konkurrenz noch nicht hat.
Aber ehrlich gesagt: Der Rat von Maximilian oben mit den 18-24 Monaten klingt realistisch. Geduld ist vielleicht der unterschätzteste Faktor beim Bootstrapping.
Kurz aus steuerlicher/rechtlicher Sicht: Bitte nicht vergessen, dass Entwicklungskosten die du jetzt als Einzelperson trägst steuerlich relevant sein können, wenn du später eine GmbH gründest. Einlage von immateriellen Wirtschaftsgütern ist ein Thema das viele unterschätzen.
Ansonsten zum Thema Strategie: Ich habe selbst gelernt – auch in einem anderen Thread hier zum Thema Ideenvalidierung – dass der größte Fehler ist zu bauen bevor man wirklich weiß dass jemand zahlt. Klingt hart aber bei Zeiterfassung ist der Markt wirklich voll. Ich würde wirklich erst 10 zahlende Kunden vor dem Launch anpeilen, notfalls mit manuellem Prozess dahinter. Das nennt sich manchmal 'Concierge MVP'.
Und was Förderprogramme angeht: EXIST und Co. sind bei Nebenjobbern oft schwierig zu bekommen weil die Vollzeit-Commitment erwarten. Das solltest du auf dem Schirm haben bevor du dir da zu viel erhoffst.
Ich stecke selbst gerade mitten in der Gründungsphase und kenne das Gefühl wenn alles zu langsam geht. Bei mir ist es grad eher das Thema Team aufbauen was mich aufreibt (hatte da auch schon eine ziemlich unschöne Erfahrung mit einem Partner, muss ich sagen).
Aber zum Thema erste Kunden in der Entwicklungsphase: Ich habe gelesen dass viele Bootstrapper einfach mit 5-10 persönlichen Gesprächen anfangen, ganz ohne Produkt. Einfach rausgehen und fragen ob das Problem überhaupt existiert. Klingt banal aber anscheinend überspringen das die meisten.
Hast du denn schon mit potenziellen Kunden geredet oder baust du grad noch hauptsächlich?