Hey zusammen, ich bin gerade dabei, mein neues Startup aufzubauen – nach 15 Jahren Pause jetzt endlich wieder aktiv. Wir sind derzeit zu sechst und wachsen langsam, aber kontinuierlich.
Thema bKV: Mehrere Leute aus meinem Netzwerk haben mir geraten, schon jetzt eine Betriebliche Krankenversicherung einzuführen. Allerdings frage ich mich, ob das Sinn macht bei unserer aktuellen Teamgröße. Der administrative Overhead scheint mir relativ hoch – Angebote vergleichen, Verträge verhandeln, dann später Verwaltung und Updates bei Personalveränderungen.
Andererseits verstehe ich natürlich, dass es ein starkes Recruiting-Signal ist, besonders wenn wir in den nächsten 12-18 Monaten auf 8-10 Leute wachsen wollen. Mich interessiert: Wie habt ihr das gelöst? Habt ihr direkt am Anfang eine bKV eingeführt oder erst später? Und vor allem: Welcher praktische Aufwand entsteht wirklich, wenn man diese Größe hat? Gibt es vielleicht auch schlankere Modelle für kleine Teams?
Vielleicht gibt's auch Erfahrungen von euch zum Timing – also ab wann macht es wirtschaftlich Sinn? Danke schon mal!
Andreas, gute Frage. Aus meiner HR-Tech-Perspektive würde ich sagen: Bei unter 10 Mitarbeitern ist der Break-Even-Point eng, aber nicht unmöglich. Der Aufwand ist tatsächlich da – Angebotsverwaltung, Kommunikation zur Einführung, jährliche Anpassungen.
Ein paar praktische Punkte: Erstens gibt es Anbieter, die explizit kleine Teams im Fokus haben und nicht so viel Verwaltungs-Overhead generieren wie die großen. Zweitens lohnt sich eine bKV deutlich stärker für euch, wenn eure Mitarbeiter über 40 sind oder Familien haben – dann wird die Akzeptanz höher, der Nutzen spürbarer. Drittens: Schauen wir auf euer Wachstumstempo. Wenn ihr auf 10+ plant, dann macht es Sinn, schon früher zu starten – dann haben neue Hires es als "normalen" Benefit.
Mein Tipp: Jetzt erstmal ein bis zwei unverbindliche Angebote einholen. Ihr werdet sehen, ob die Prämie pro Kopf noch tragbar ist. Und ja, auch der Recruiting-Effekt ist real – gerade wenn ihr gegen etablierte Konkurrenz antretet.
Aus Steuersicht würde ich noch einen wichtigen Punkt hinzufügen: Die bKV ist für die Arbeitnehmer ab Eintritt komplett sozialabgabenfrei bis zur Höchstgrenze (ca. 360€/Monat), und für euch als Unternehmen auch steuerlich absetzbar. Bei 6-8 Mitarbeitern rechnet sich das schneller als man denkt.
Was oft unterschätzt wird: Die Verwaltung ist heute deutlich digitalisierter als früher. Viele Anbieter haben Portale, wo Angestellte selbst ihre Leistungen einreichen, Updates machen sie online. Der manuelle Aufwand bleibt kleiner, als viele glauben. In meinen ersten Beratungsjahren habe ich noch mit Excel-Listen gearbeitet – heute ist das einfach anders.
My Recommendation: Macht es. Zum einen hat es null Nachteil, wenn ihr jetzt startet. Zum anderen ist der psychologische Effekt auf ein junges Team nicht zu unterschätzen – zeigt, dass die Gründer in ihre Leute investieren. Und beim Wachstum ist dann der Onboarding-Prozess schon etabliert.