Hallo zusammen,
ich begleite derzeit einen jungen Gründer, der mit seinen Produktentwicklung gut vorankommt, aber bei der Kapitalstruktur hat es leider am Anfang gefehlt.
Die Situation: Er hat vor 8 Monaten zwei informelle Investitionen von Business Angels erhalten (insgesamt 80k €), damals ohne echte Dokumentation – nur Überweisungen mit Notizen. Jetzt sitzt er da mit fragmentarischen Unterlagen, Unklarheiten bei Beteiligungsquoten und keine richtige Cap Table.
Bevor er eine zweite, professionelle Runde plant, will er das jetzt aufräumen. Meine Frage: Lässt sich das noch sauber nachträglich strukturieren, oder hat er sich da selbst ein Bein gestellt?
Welche Fehler sollte ich ihm jetzt konkret bei der Rekonstruktion der Cap Table helfen zu vermeiden? Und wie würde ich das ganze Thema angehen, wenn ich von Anfang an dabei gewesen wäre – als Best Practice für andere?
Danke für Erfahrungen!
Aus meiner Sicht: So früh wie möglich ein Tool wie Carta oder Excel-Template nehmen und systematisch führen. Noch wichtiger: Klare Investitions-Agreements von Anfang an, auch bei kleinen Runden. Beim ersten Mal denkt man, das ist zu formal – aber später zahlt man den Preis dafür massiv. Automatisierung der Versionierung hilft auch, damit man nicht verloren geht zwischen den Iterationen.
Das ist ein häufiges Problem, das ich auch in meinen eigenen frühen Startup-Projekten gesehen habe. Die gute Nachricht: Es lässt sich meist beheben, wird aber aufwendiger.
Du solltest folgendes mit ihm angehen:
1. **Rekonstruktion mit Belegen**: Alle Überweisungen, E-Mails, Nachrichten sammeln, die die damalige Absicht zeigen. Das sind deine Beweisstücke für die späteren Dokumentationen.
2. **Nachträgliche Vereinbarungen**: Mit jedem Investor ein rückwirkendes, einfaches Schriftstück aufsetzen (keine wilden Verträge, sondern Klarstellung: Beteiligungsquote, Rechte, ob SAFE oder echte Beteiligung). Manche machen das gerne kurz und unbürokratisch, wenn's transparent wird.
3. **Anwalt hinzuziehen**: Gerade bei Steuer- und Bilanzfragen sollte er das mit seinem Steuerberat oder Anwalt absprechen. Je nach Rechtsform (GmbH, UG) kann das Thema nämlich knifflig werden.
Für die Zukunft: Cap Table von Tag 1, digital, versioniert. Auch wenn's erst 10k sind – dokumentieren kostet weniger Zeit als später zu reparieren.