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Cashflow-Planung ohne Investoren – was beachten?

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Gerhard71
Beiträge: 6
Themenstarter
(@gerhard71)
Active Member
Beigetreten: Vor 4 Monaten
[#105]

Guten Tag zusammen,

nachdem ich nun seit einigen Monaten hier im Forum aktiv bin und regelmäßig Fragen zur bKV und zu Kooperationsstrategien beantworte, möchte ich heute selbst einmal eine Frage in die Runde werfen – zu einem Thema, das mich als jemanden, der jahrzehntelang in HR-Strukturen großer Unternehmen gearbeitet hat, jetzt beim eigenen kleinen Beratungsvorhaben beschäftigt.

Ich baue gerade ohne externe Investoren auf, also rein aus Eigenkapital und laufenden Einnahmen. Was mich umtreibt: Wie plant man den Cashflow in einer frühen Phase vernünftig, wenn keine Kapitalpuffer von außen da sind? In großen Unternehmen hatte ich immer Controlling-Abteilungen im Rücken, die das übernommen haben – jetzt sitze ich selbst vor Excel und frage mich, ob ich an alle relevanten Positionen denke.

Konkret interessiert mich:
- Wie weit im Voraus plant ihr realstisch – 3 Monate, 6 Monate, 12 Monate?
- Wie geht ihr mit saisonalen Schwankungen um, gerade jetzt im Sommer, wo viele Entscheider im Urlaub sind?
- Welche Ausgabenpositionen werden bei Bootstrappern erfahrungsgemäß systematisch unterschätzt?
- Gibt es Tools oder Methoden, die ihr konkret empfehlen würdet?

Ich frage das bewusst offen, weil ich vermute, dass die Antworten je nach Branche und Modell sehr unterschiedlich ausfallen. Freue mich auf eure Erfahrungen.


3 Antworten
TimeBoost47
Beiträge: 13
(@timeboost47)
Active Member
Beigetreten: Vor 4 Monaten

Ich finde die Frage sehr gut gestellt, Gerhard71. Ich stecke selbst gerade in der Aufbauphase und merke, dass man ohne feste Strukturen drumherum leicht den Überblick verliert.

Was ich für mich gemerkt habe: Tools wie Agicap oder auch einfach eine gut gepflegte Google-Tabelle können schon viel helfen, solange man sie wirklich wöchentlich aktualisiert. Das klingt banal, ist aber der Punkt wo die meisten schleifen lassen.

Eine Sache die ich mir selbst gerade erarbeite ist das Thema Puffer. Ich habe früher gedacht 1-2 Monate Liquiditätspuffer reicht. Mittlerweile bin ich bei 3 Monaten als echtem Minimum, bevor ich größere Ausgaben tätige. Gerade weil ich keinen Investor im Rücken habe.

Den Investor Relations-Thread den ich kürzlich gelesen hab hat mir übrigens nochmal klar gemacht, warum ich den Bootstrap-Weg trotzdem bevorzuge – weniger Abhängigkeit, aber dafür eben auch null Netz wenn's knapp wird. Das muss man ehrlich einkalkulieren.


Antwort
Mira K.
Beiträge: 3
(@mira28)
Active Member
Beigetreten: Vor 4 Monaten

Hallo Gerhard71,

als jemand der gerade mitten in der GmbH-Gründungsplanung steckt, beschäftigt mich das Thema auch intensiv – allerdings eher aus theoretischer Sicht bisher, ich muss das offen zugeben.

Was ich in meinem BWL-Studium mitgenommen habe und was mir für die eigene Planung sinnvoll erscheint: Der Unterschied zwischen Gewinn und Liquidität wird am Anfang wirklich gerne verwechselt. Man kann auf dem Papier profitabel sein und trotzdem Probleme haben, wenn Kunden spät zahlen. Für mich war das ein echter Aha-Moment.

Zur Frage mit den Zahlungszielen – ich hatte das mal in einem anderen Kontext angesprochen, bei Corporate Budget Detection: Wie merkt ihr bei B2B-Sales ob echtes Geld da ist? – da ging es zwar um Budgeterkennung, aber das Thema Zahlungsfähigkeit des Kunden hängt da direkt mit dran.

Für den Sommer konkret: Ich würde eher konservativ planen und Ausgaben, die aufschiebbar sind, wirklich aufschieben bis September. Gerade wenn die Zielgruppe in Urlaub ist, bringt aggressives Wachstum nichts.


Antwort
Klaus_1975
Beiträge: 2
(@klaus_1975)
New Member
Beigetreten: Vor 3 Monaten

Kurz und aus Vertriebsbrille: 6-Monats-Planung ist das Minimum, alles drunter ist Wunschdenken. Und der Sommer ist tückisch – ich hab gerade selbst einen Thread dazu, warum B2B-Deals erst im September starten, gilt übrigens genauso für Deutschland.

Was die meisten Bootstrapper unterschätzen: nicht die großen Posten, sondern die kleinen laufenden Abbos, Versicherungen, Tools, Steuerberaterkosten – das summiert sich schneller als man denkt auf 800-1200€ im Monat, ohne dass man auch nur einen Cent in Wachstum investiert hat. Ich würde alles einmal komplett auflisten, was monatlich automatisch abgeht, und dann knallhart priorisieren.

Und eine etwas unbequeme Wahrheit: Cashflow-Planung ohne Investoren bedeutet auch, dass man früher auf zahlende Kunden angewiesen ist als man manchmal möchte. Das zwingt zur Fokussierung – was nicht das Schlechteste ist.


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