Hey zusammen,
ich steh gerade vor einer Aufgabe die mich ehrlich gesagt ein bisschen überfordert. Wir haben ein SaaS-Produkt im HR-Bereich, laufen seit ca. 14 Monaten, erste zahlende Kunden in Deutschland und Österreich. Jetzt haben wir Kontakt zu zwei US-amerikanischen Angel-Investoren geknüpft – einer aus San Francisco, einer aus New York – und die wollen natürlich ein Pitch Deck sehen.
Ich hab das Ding bisher für deutsche VCs aufgebaut und das Feedback war eigentlich solide. Aber ich hab das Gefühl, dass ich für die USA komplett umdenken muss. Zum Beispiel: Beim deutschen VC-Pitch hat mich jeder sofort auf Risikomanagement, Profitabilität und Runway angesprochen. US-Investoren scheinen ja eher auf Vision und Total Addressable Market zu stehen?
Aber da fangen die Fragen für mich erst an. Wie präsentiert man den TAM glaubwürdig ohne dass es übertrieben wirkt? Wie viel Storytelling ist wirklich erwünscht und wann wird es cringe? Was ist mit dem Founderteam-Slide – ich hab gehört die schauen da extremer drauf als hierzulande?
Und nochmal zu den Kennzahlen: Welche KPIs müssen unbedingt rein, welche eher nicht?
Wenn jemand schon mal ein Deck für US-Investoren gebaut hat oder da direktes Feedback bekommen hat – ich freu mich über jeden Input. Gern auch wenn ihr sagt was komplett schief gelaufen ist.
Ich schau gerade für meinen eigenen Kram auch viel in Richtung neue Märkte, daher les ich hier interessiert mit. Was mir aufgefallen ist aus Gesprächen und aus Recherche: In den USA wird die Competition Slide komplett anders bewertet. Deutsche Gründer neigen dazu, die Konkurrenz kleinzureden oder komplizierte 2x2-Matrizen zu zeigen wo man selbst natürlich in der besten Ecke sitzt. US-Investoren finden das meist naiv. Die wollen sehen dass du die Konkurrenz wirklich verstehst und trotzdem erklären kannst warum ihr gewinnt.
Außerdem: Use of Funds sehr konkret halten. Was passiert mit dem Geld in den nächsten 18 Monaten, welche Milestones werden damit erreicht. Nicht 'Marketing und Produktentwicklung' sondern echte Zahlen.
Kurz und direkt: der größte Unterschied ist das Tempo. Deutsche VCs wollen Sicherheit, US-Investoren wollen Geschwindigkeit und Momentum. Dein Deck muss in den ersten 3 Slides bereits klar machen warum das Problem riesig ist und warum jetzt der richtige Zeitpunkt ist. Not wenn, sondern warum jetzt.
Ich hab mich im Kontext von Due Diligence auch mal mit Pitch Decks beschäftigt (da gibts ja eine gewisse Überschneidung was Investoren erwarten), und was ich sagen kann: Der Slide der in Deutschland meistens fehlt oder zu schwach ist, ist der 'Unfair Advantage' Slide. Also nicht was ihr besser macht, sondern was ihr habt das andere nicht replizieren können – proprietäre Daten, exklusive Partnerschaften, Technologievorsprung, was auch immer.
US-Investoren denken sehr stark in Defensibility. Warum gewinnt ihr langfristig und nicht nur jetzt gerade. Das ist in deutschen Decks oft komplett absent.
Ach ja und noch was praktisches: Format PDF, maximal 15 Slides, erste Mail kein Anhang sondern Link zu Google Drive oder Docsend. Klingt trivial ist aber tatsächlich ein Filterpunkt bei vielen US-Investoren.
Ich seh das ein bisschen differenzierter als T.Bergmann oben. Es stimmt zwar dass US-Investoren mehr auf Vision gehen, aber 'warum jetzt' allein reicht meiner Erfahrung nach nicht. Die wollen beides: die große Story UND dass deine frühen Metriken die Vision stützen.
Ich komme aus einem Tech-Hintergrund und hab mich mit verschiedenen SaaS-Modellen beschäftigt (hatte dazu auch was hier im Forum geschrieben). Was ich dabei gelernt hab: Ohne Proof points wirkt selbst die beste Story dünn. Für HR-SaaS heißt das konkret: Churn Rate, NPS, und vor allem Net Revenue Retention müssen gut sein und prominent gezeigt werden.
Zum Storytelling: Es gibt einen Unterschied zwischen narrativer Struktur (gut!) und aufgeblasenem Hype (sehr schlecht). Ein klares Problem-Solution-Framework das mit echten Nutzergeschichten beginnt funktioniert sehr gut. Aber übertriebene Adjektive und 'game-changing' irgendwas – das riecht die US-Investoren sofort.