Hallo zusammen,
nach 15 Jahren in der Automobilindustrie gehe ich jetzt den Schritt in die Selbständigkeit und baue mein eigenes Tech-Startup auf. Wir entwickeln eine Softwarelösung für die Energieeffizienz-Optimierung in Produktionsanlagen.
Nun haben wir die Möglichkeit, mit einem sehr vielversprechenden US-amerikanischen Startup zu kooperieren, die Hardware-Sensoren entwickeln, die perfekt zu unserer Software passen würden. Die Chemie stimmt, die Technologie ergänzt sich ideal - aber ehrlich gesagt bin ich bei den rechtlichen Aspekten einer solchen internationalen Partnerschaft ziemlich unsicher.
Worauf muss ich konkret achten? Welches Recht gilt bei Streitigkeiten? Wie sieht es mit Datenschutz aus (DSGVO vs. US-Standards)? Und was ist mit Haftungsfragen, wenn unsere gemeinsame Lösung beim Endkunden Schäden verursacht?
Hat jemand von euch bereits Erfahrungen mit deutsch-amerikanischen Kooperationen gemacht? Welche Stolpersteine gab es und wie habt ihr sie gelöst? Sollte man von Anfang an eine US-Niederlassung gründen oder reicht erstmal ein solider Kooperationsvertrag?
Danke schon mal für eure Einschätzungen!
Moin!
Also erst mal: Glückwunsch zur Selbständigkeit nach 15 Jahren Autobranche - das ist schon ein mutiger Schritt.
Zu deiner Frage: Ich hab schon mehrere solcher deutsch-US Kooperationen begleitet, und ehrlich gesagt wird das Thema hier im Forum oft viel zu oberflächlich behandelt. Die meisten sagen dir "nimm einfach einen Anwalt" - aber welchen? Einen deutschen, der US-Recht kann, oder einen amerikanischen?
Meine Erfahrung: Fang NICHT mit einer US-Niederlassung an. Das ist erstmal nur Kostenfaktor ohne direkten Nutzen. Ein solider Kooperationsvertrag reicht völlig, ABER - und das ist wichtig - lass ihn von jemandem machen, der beide Rechtssysteme kennt.
Bei DSGVO vs US-Standards wirst du nicht drumrum kommen, ein Data Processing Agreement zu machen. Das kostet Zeit und Nerven, aber ohne gehts nicht.
Was mich bei solchen Posts immer stört: Alle reden über Haftung und Verträge, aber keiner fragt nach den Business-KPIs der Kooperation. Habt ihr überhaupt schon mal zusammen getestet, ob eure Zielgruppen sich decken? Revenue-Split geklärt?
Rechtliches ist wichtig, aber ohne Business Case ist der beste Vertrag wertlos.