Hallo zusammen,
als langjähriger Mitlesender hier frage ich mich oft, ob es Geschäftsbereiche gibt, die ihr als erfahrene Gründer bewusst meidet. Ich bin selbst noch relativ neu in der Szene und sehe oft verlockende Chancen in verschiedenen Branchen, aber habe das Gefühl, dass ich möglicherweise naive Fehler mache.
Meine Überlegungen gehen aktuell in Richtung Food-Delivery, Fitness-Apps oder auch diese ganzen NFT/Crypto-Sachen. Auf den ersten Blick sehen die Märkte riesig aus, aber ich vermute, da stecken Fallstricke drin, die ich als Anfänger nicht sehe.
Gibt es aus eurer Sicht bestimmte Kategorien oder Bereiche, wo ihr sagt: "Da fasse ich grundsätzlich nicht mehr an"? Nicht wegen der Arbeit oder dem Aufwand, sondern weil die strukturellen Probleme einfach zu groß sind?
Bin gespannt auf eure Erfahrungen und würde gerne von euren Fehlern lernen, bevor ich sie selbst mache. Besonders interessant wären Bereiche, die von außen attraktiv aussehen, aber versteckte Probleme haben.
Vielen Dank schon mal!
Helmut
Hey Helmut! Kann ich sehr gut nachvollziehen, diese Frage. Aus meiner Erfahrung würd ich heute die Finger lassen von: 1) Consumer Apps ohne mega starkes Netzwerkeffekt-Modell, 2) Hardware-lastigen Geschäften (Logistik-Alptraum), 3) Heavy-Regulated Industries wie Fintech ohne entsprechende Connections, 4) Pure Content-Plays ohne klare Monetarisierung und 5) Alles was auf einzelne Plattformen angewiesen ist (siehe was mit Facebook-dependent businesses passiert ist).
Bei SaaS mit 500€ Budget hatte ich ja auch schon mal erwähnt - die Customer Acquisition Costs sind heute in vielen Bereichen einfach brutal geworden. Food-Delivery ist ein perfektes Beispiel: Margin-Geschäft mit irren Akquisitionskosten.
Interessante Frage, Helmut. Aus analytischer Sicht würde ich noch Subscription-Modelle in gesättigten Märkten ergänzen. Die Churn-Raten sind heute teilweise verheerend, weil Konsumenten einfach subscription-müde werden. Habe gerade die Zahlen eines Fitness-App-Startups analysiert: 85% Churn im ersten Quartal trotz ordentlichem Produkt.
Zu Stefans Punkt mit den Marktplätzen: Absolut richtig. Das "Chicken-and-Egg-Problem" wird oft unterschätzt. Die Acquisition-Costs steigen exponentiell, wenn man beide Seiten gleichzeitig aufbauen muss. Venture Capital hilft da nur bedingt, weil die Unit Economics oft nie funktionieren.
Also ich bin ja noch relativ neu hier, aber hab schon einige Sachen probiert. Was mich richtig abschreckt sind diese ganzen Marktplatz-Modellen. Klingt erst mal toll - du bringst Angebot und Nachfrage zusammen, kassierst Provision. Aber in der Realität? Du kämpfst ständig an zwei Fronten und brauchst kritische Masse auf beiden Seiten gleichzeitig. Hab das mal mit nem lokalen Service-Marktplatz versucht... war die Hölle.