Hallo zusammen,
nachdem mein erstes Startup jetzt läuft, plane ich gerade die Finanzierungsstruktur für mein zweites Vorhaben – und stehe vor einer Entscheidung, die ich beim ersten Mal nicht so bewusst getroffen habe.
Konkret geht es darum: Ich überlege, ob ich mich für das EXIST-Gründerstipendium bewerbe oder lieber direkt den Weg über das KfW-Startgeld gehe. Aus steuerlicher und rechtlicher Sicht sind das zwei grundlegend unterschiedliche Konstrukte – das Stipendium ist ja nicht rückzahlbar, wird aber an die Uni gebunden, während das KfW-Startgeld ein klassisches Darlehen mit Haftungsfragen ist.
Meine Situation: Ich bin inzwischen nicht mehr an einer Hochschule angemeldet, was EXIST eigentlich ausschließt (außer ich finde noch eine Kooperationsmöglichkeit mit einer Uni, bin da aber unsicher). Das KfW-Startgeld wäre also der realistischere Weg.
Fragen die mich umtreiben:
- Hat jemand Erfahrung, wie die Hausbanken das KfW-Startgeld aktuell handhaben? Sind die im Sommer generell träge bei der Bearbeitung?
- Gibt es steuerliche Aspekte beim KfW-Darlehen, die man von Anfang an im Blick haben sollte?
- Habt ihr Alternativen genutzt, die für Seriengründer besser passen?
Freue mich auf echte Erfahrungen, nicht auf die Broschürentexte der Förderbanken, die kenne ich schon.
Grüße
TaxLegalPro
Zur Uni-Frage bei EXIST: Ich hab mich damit mal kurz beschäftigt als ich nach Optionen für meine SaaS-Idee geschaut habe. Ohne aktive Hochschulanbindung ist EXIST quasi nicht erreichbar, zumindest nicht ohne einen Professor der das offiziell mitträgt. Das ist kein bürokratisches Detail, das ist wirklich Kern des Programms.
Das KfW-Startgeld wäre in deiner Situation also der direkte Weg. Was die steuerliche Seite angeht bin ich kein Experte, aber ein Punkt der mir aufgefallen ist: Das Darlehen selbst ist natürlich kein steuerbarer Zufluss, aber die Zinsen sind Betriebsausgaben – das sollte eigentlich für jemanden mit deinem Hintergrund klar sein. Interessanter wäre eher ob du die GmbH schon gegründet hast bevor du den Antrag stellst, oder ob du das parallel machst. Da gibts meiner Meinung nach Fallstricke was die Haftung angeht.
Bin gespannt was hier noch kommt, für mich ist das perspektivisch auch relevant.
Ich bin zwar primär auf der Investorenseite unterwegs und noch nicht so tief in den Förderinstrumenten drin, aber das Thema interessiert mich als angehender Angel Investor durchaus – schließlich spielt die Förderstruktur eines Startups auch eine Rolle, wenn man selbst einsteigen will.
Was ich bisher von Gründern in meinem Netzwerk gehört habe: Die Hausbanken sind tatsächlich unterschiedlich motiviert, KfW-Anträge durchzureichen. Manche Filialbanken haben kaum Erfahrung damit und schicken einen erstmal in Kreis. Der Tipp war immer: gezielt nach Banken fragen, die regelmäßig mit der KfW zusammenarbeiten, also konkret nachfragen wie viele Anträge die im letzten Jahr gestellt haben.
Ob das im Sommer langsamer geht kann ich nicht beurteilen. Würde mich aber nicht wundern, Urlaubszeit ist halt Urlaubszeit – auch bei Bankberatern.
Kurze Einschätzung aus der Praxis: Als wir in der frühen Phase waren, haben wir bewusst auf Förderkredite verzichtet – nicht weil sie schlecht sind, sondern weil die Prozesse schlicht zu langsam waren für das Tempo das wir brauchten.
Für einen Seriengründer mit Track Record würde ich ernsthaft überlegen ob du nicht direkt mit Business Angels oder einem kleinen Seed-Ticket arbeitest. Geldgeber die dich und deine Arbeit schon kennen, kommen oft schneller zu einem Term Sheet als eine Förderbank zu einem Bescheid. Das spart auch Nerven.
Die steuerliche Seite beim KfW-Darlehen ist tatsächlich überschaubar, wie TobiasM schon angedeutet hat. Was du wirklich im Auge behalten solltest: Die Nachrangigkeitsklauseln in den KfW-Verträgen, die können später bei weiteren Finanzierungsrunden zum Problem werden wenn Investoren vorrangige Sicherheiten wollen. Das hat uns damals ein Anwalt frühzeitig erklärt und es hat die Entscheidung deutlich beeinflusst.
Ich bin da eher skeptisch was den ganzen Förderdschungel angeht. Ich habe zuletzt im Thread zu Geschäftskonto ohne Schufa schon geschrieben, dass viele Banken bürokratisch überfordert wirken.
Beim KfW-Startgeld ist das ähnlich: In der Theorie klingt das Instrument gut, in der Praxis scheitert es oft an Hausbanken, die keine Lust haben den Aufwand zu betreiben, weil die Marge für sie marginal ist. Die müssen ja das Risiko mittragen, auch wenn die KfW den Löwenanteil übernimmt.
Mein Rat: Hau nicht zu viel Zeit in den Antrag, wenn dein Geschäftsmodell schon validiert ist. Manchmal ist ein sauber verhandeltes Gesellschafterdarlehen oder ein früher Kunde mit Vorauszahlung ehrlicher als 6 Monate Antragsrummel. Fördermittel klingen gut auf dem Papier, fressen aber Ressourcen. Nur meine Einschätzung als jemand der viele vermeintliche Wunderlösungen schon aus der Nähe gesehen hat.