Mich beschäftigt eine Frage, die ich immer öfter in Gründerkreisen höre: Wie wichtig ist echte Vielfalt im Team wirklich – und wo beginnt es, sich künstlich anzufühlen?
Ich beobachte seit Jahren, wie KI-Startups entstehen und wachsen. Was mir auffällt: Viele Teams sehen sich unter Druck, die richtigen Diversity-Boxen zu ticken. Gender, Herkunft, Altersstruktur. Das klingt prima in der Theorie. Aber in der Praxis erlebe ich oft, dass junge Gründer gezielt nach bestimmten Profilen suchen, statt nach den besten Köpfen für ihre spezifische Aufgabe.
Meine Frage ist ehrlich gemeint: Ist Diversity ein echtes Geschäftskriterium für bessere AI-Produkte und innovativere Lösungen? Oder ist es eher eine HR-Anforderung, die Investoren und Gesellschaft erwarten, während das Team darunter leidet?
Wie handhhabt ihr das in euren Teams? Habt ihr bewusst nach Vielfalt gesucht – und hat es konkret etwas gebracht? Oder seid ihr eher pragmatisch vorgegangen?
Gute Frage, Hans. Aus meiner Perspektive als angestellter Dev, der nebenberuflich gründen will: Das sollte nicht entweder-oder sein. Ich erlebe im aktuellen Job, dass unterschiedliche Perspektiven bei der Problemlösung helfen – einfach weil Menschen anders denken. Bei meinem Startup werde ich eher praktisch vorgehen: Erst die richtigen Fachleute finden für meine Idee, dann schauen, was natürlich zusammenkommt. Wenn ich dann merke, dass bestimmte Blickwinkel fehlen, nachjustieren. Kann ja sein, dass ich gerade deswegen auf jemanden stoße, den ich vorher nicht auf dem Radar hatte.
Das ist der Knackpunkt – was ist "besser"? Im Backend kenne ich gut durchmischte Teams, die technisch unterlegene Lösungen bauen, weil sie zu viel Zeit mit Prozessen verbringen statt mit Code. Und ich kenne homogene 4er-Teams, die unglaublich schnell iterieren. Vielleicht sollten wir das Dogma umdrehen: Nicht die Zusammensetzung ist das Kriterium, sondern die Problemlösungsfähigkeit. Ein KI-Team mit 3 ML-Experten und 1 UX-Designerin könnte besser sein als "divers verteilt". Bei Tools wie Notion oder Slack für Zusammenarbeit geht's eh um Kommunikation, nicht um Demografie.
Spannender Thread! Ich glaube ehrlich, dass gute Ideen von verschiedenen Menschen einfach besser werden. Nicht wegen Quoten, sondern weil verschiedene Erfahrungen zu besseren Produkten führen. Bei meinem Angel-Investing-Research merke ich: Teams mit breiterem Hintergrund scheitern nicht weniger, aber wenn sie erfolgreich sind, bauen sie oft nachhaltigere Produkte. Vielleicht liegt es auch daran, dass sie früher Fehler erkennen, die monokulturelle Teams übersehen. Wie schaut es aus: Habt ihr konkrete Beispiele, wo das schiefgelaufen ist?
Hans, aus meiner Sicht ist das eine falsche Dichotomie. Diversity ist kein Pflicht-Häkchen, aber auch kein reines Nice-to-have. In meinen 40 Jahren hab ich gelernt: Das beste Team brauch Komplementarität. Bei AI-Entwicklung speziell brauchst Du mindestens drei unterschiedliche Denkweisen – einen, der Patterns sieht, einen, der sie in Frage stellt, einen, der sie praktisch umsetzt. Das kann beliebig kombiniert sein, aber einseitige Teams bauen einseitige Lösungen. Meine Erfahrung: Wenn Du nach "besten Köpfen" suchst ohne Blick für unterschiedliche Perspektiven, findest Du oft nur Abbilder von Dir selbst.