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Jobs-to-be-Done im echten Kundengespräch - wie geht ihr das an?

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ThomasWinter
Beiträge: 3
Themenstarter
(@thomaswinter)
Active Member
Beigetreten: Vor 1 Monat
[#12]

Ich beschäftige mich gerade intensiv mit der Jobs-to-be-Done-Theorie und muss ehrlich sagen: Auf dem Papier klingt das alles sehr einleuchtend. Kunden kaufen kein Produkt, sondern beauftragen es für eine bestimmte Aufgabe in ihrem Leben. Clayton Christensen, Milkshake-Studie, alles bekannt.

Aber jetzt die Praxis: Wie überführt ihr diesen konzeptionellen Rahmen in echte Kundeninterviews? Ich prüfe gerade ein Geschäftsmodell, bei dem die Gründer ziemlich sicher zu wissen glauben, was ihre Zielgruppe 'will'. Auf Nachfrage stellt sich aber heraus, dass sie noch keine fünf strukturierten Kundengespräche geführt haben. Das klassische Startup-Problem.

Mich interessiert dabei weniger der theoretische Überbau, sondern konkret:
- Wie formuliert man Fragen, die tatsächlich den funktionalen, sozialen und emotionalen 'Job' freilegen?
- Welche Fehler passieren dabei am häufigsten, gerade in frühen Phasen?
- Und wie verlässlich sind die Erkenntnisse eigentlich als Grundlage für Produktentscheidungen?

Mir ist bewusst, dass JTBD kein rechtliches Framework ist, aber als Grundlage für Geschäftsmodellentscheidungen hat es direkte Relevanz für Fragen der Haftung und Leistungsversprechen. Ein Produkt, das am echten Kundenbedürfnis vorbeientwickelt wird, zieht früher oder später auch rechtliche Konsequenzen nach sich - falsche Leistungsversprechen, Gewährleistungsthemen etc.

Freue mich über praktische Erfahrungsberichte, gerne auch kritische Stimmen.


5 Antworten
SteuerKay_84
Beiträge: 4
(@steuerkay_84)
Active Member
Beigetreten: Vor 2 Monaten

Bei uns im ML-Bereich ist JTBD tatsächlich etwas komplizierter als bei klassischen SaaS-Produkten. Mittelständler wissen oft selbst nicht genau, welchen 'Job' sie eigentlich vergeben wollen - die kommen mit 'wir brauchen irgendwas mit KI' und dahinter stecken drei verschiedene Probleme gleichzeitig.

Was bei mir funktioniert: Ich frage nicht nach dem Problem, sondern nach dem letzten Workaround. 'Wie löst ihr das gerade - Excel, externe Dienstleister, gar nicht?' Die Antwort darauf ist oft aufschlussreicher als jede direkte Problemfrage. Und ich schaue mir an, welche Trends da draußen gerade Druck erzeugen - das verändert ja auch, welche Jobs plötzlich dringend werden.

Die Frage nach der Verlässlichkeit: Ich trenne das inzwischen strikt. Interviews geben mir Hypothesen. Daten aus echtem Nutzerverhalten geben mir Antworten. Beides zusammen ergibt ein Bild.


Antwort
Stefan-Koehler
Beiträge: 18
(@stefan-koehler)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 2 Monaten

Thomas, das kenne ich aus unzähligen Projekten. Die häufigste Falle bei JTBD-Interviews ist, dass man zu früh über das Produkt spricht und zu spät über die Situation des Kunden. Der eigentliche Job wird in der Regel erst sichtbar, wenn man rückwärts fragt: 'Was hast du gemacht, bevor du überhaupt nach einer Lösung gesucht hast?' oder 'Was war der konkrete Auslöser, dass du gehandelt hast?'

Das klingt simpel, aber in der Praxis switchen die meisten Gründer innerhalb von zwei Minuten in den Pitch-Modus. Die hören dann nicht mehr zu, sondern bestätigen sich selbst.

Zur Verlässlichkeit der Erkenntnisse: Ich würde sagen, erst ab etwa 15-20 Interviews mit ähnlichem Muster werden die Insights wirklich belastbar. Vorher ist es Orientierung, keine Entscheidungsgrundlage. Wer nach fünf Gesprächen ein Produkt baut, baut meistens den lautesten Kunden nach - nicht den typischen.

Und den Punkt mit den Leistungsversprechen finde ich interessant. Hatte noch nicht so drüber nachgedacht, aber du hast recht: Wenn der kommunizierte Job und der tatsächliche Job auseinanderdriften, wird's problematisch.


Antwort
Helmut K.
Beiträge: 3
(@h-kellner)
Active Member
Beigetreten: Vor 2 Monaten

Ich steige gerade selbst wieder in das Thema ein nach langer Pause und merke, dass sich die Methodik gar nicht so stark verändert hat - aber die Tools schon. Was ich noch nicht ganz verstehe: Inwieweit helfen KI-gestützte Interviewauswertungen dabei, die drei Job-Ebenen (funktional, sozial, emotional) sauber zu trennen? Hat da jemand praktische Erfahrung? Ich frage mich nämlich ob das bei meiner Zielgruppenanalyse was bringen würde.


Antwort
C.Bergmann
Beiträge: 30
(@c-bergmann)
Eminent Member
Beigetreten: Vor 2 Monaten

Mal eine abweichende Meinung: Ich bin grundsätzlich skeptisch, ob JTBD als Framework für alle Kontexte gleich gut funktioniert. Bei meinem damaligen Startup haben wir sehr sorgfältig Kundeninterviews geführt, hatten klare Jobs identifiziert - und sind trotzdem gescheitert, weil wir in neue Märkte expandiert haben wo die gleichen Jobs kulturell komplett anders gewichtet waren. Der emotionale Job 'Zugehörigkeit signalisieren' z.B. funktioniert in Deutschland und in Südeuropa komplett unterschiedlich.

Was ich damit sagen will: JTBD ist ein gutes Werkzeug, aber es verführt ein bisschen dazu zu glauben man hätte die Wahrheit gefunden wenn man seinen Job definiert hat. Die Kontextabhängigkeit wird dabei oft unterschätzt.


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