Hallo zusammen,
bin mittlerweile 72 und dachte, ich hätte schon alles gesehen. Aber bei meinem Enkel (gemeinsame Gründung eines kleinen Consulting-Business) habe ich mich ordentlich verschätzt.
Wir haben zu Beginn gedacht, ein paar hundert Euro für Rechtsberatung reichen aus. Standard GmbH-Gründung, bisschen Gesellschaftsvertrag - was soll schon groß dabei sein? Jetzt, nach 8 Monaten, haben wir bereits über 4.500€ an Anwaltskosten und sind noch nicht fertig.
Das Problem: Wir hatten anfangs viele Punkte nicht bedacht. Geschäftsführerhaftung, Gesellschafter-Streitigkeiten (zum Glück nur theoretisch), Compliance-Anforderungen, die bei unserer Branche relevant sind. Jede Nachfrage kostet wieder 200-300€.
Der Anwalt meinte letzte Woche, wir bräuchten noch Anpassungen bei den Entnahmeregelungen und eventuell eine Schiedsklausel. Das sind nochmal mindestens 1.500€.
Meine Frage: Wie kalkuliert ihr das Legal-Budget realistisch? Wo hätten wir sparen können, ohne uns rechtlich zu gefährden? Und wie macht ihr das mit dem ganzen Gesellschaftsrecht-Kram, wenn das Budget begrenzt ist?
Danke für eure Erfahrungen!
Wow, das ist ein teures Learning. Bei meinen bisherigen Gründungen hab ich auch Lehrgeld bezahlt, aber eher im Marketing-Bereich.
Ein Punkt der oft übersehen wird: Timing. Viele Rechtsthemen können gestaffelt werden. Grundgründung jetzt, Compliance-Anpassungen wenn erste Kunden da sind, Gesellschafter-Details wenn Wachstum ansteht.
Macht auch Sinn, einen Anwalt zu finden der Startup-Erfahrung hat. Die kennen die typischen Phasen und können besser priorisieren was wann wichtig ist. Klassische Anwälte behandeln alles gleich dringend.
4.500€ nach 8 Monaten? Das ist schon heftig, aber nicht ungewöhnlich wenn man strukturiert gründet.
Mein Tipp aus 3 Gründungen: Fixed-Fee-Vereinbarungen mit dem Anwalt machen. Sagt ihm: "Wir haben Budget X für die Gründung, was ist dafür drin?" Dann gibt's keine bösen Überraschungen.
Bei eurer Situation würde ich erstmal stoppen und evaluieren: Was ist wirklich nötig JETZT vs. was kann warten bis Cashflow stimmt? Schiedsklauseln sind nice-to-have, aber nicht existenziell am Anfang.
Und für die Zukunft: Rechtschutzversicherung für Unternehmen. Hilft bei vielen Fragen ohne Stundensatz.
Respekt für den Mut zur Gründung in dem Alter!
Kann TobiasM nur zustimmen mit den Pauschal-Paketen. Aber eine Sache noch: Schaut mal nach Legal-Tech-Lösungen. Contractbook, Lexware oder sogar kostenlose Tools für Standard-Verträge.
Für Gesellschaftsverträge ist das zwar begrenzt nutzbar, aber für alltägliche Rechtsfragen (AGB, Datenschutz, Kundenverträge) könnt ihr da viel sparen.
Und: Nutzt die Gründerberatungen der IHK. Die haben oft Rechtsexperten dabei und kosten deutlich weniger als Anwaltsstunden.
Puh, das kenne ich leider zu gut. Bei meiner ersten Gründung 2019 hatte ich ähnlich naiv kalkuliert. Legal-Budget war mit 800€ angesetzt, am Ende waren es über 6k.
Mein Learning: Immer ein strukturiertes Erstgespräch führen und dabei ALLE möglichen Rechtsgebiete abfragen. Nicht nur Gesellschaftsrecht, sondern auch Arbeitsrecht (falls ihr später Leute einstellt), Datenschutz, branchenspezifische Compliance etc.
Für die Zukunft: Viele Anwälte bieten Pauschal-Pakete für Standardgründungen an. Da ist vieles schon drin. Kostet zwar initial mehr (2-3k), aber kalkulierbarer.
Und: Gesellschaftsverträge nicht zu individuell machen am Anfang. Standard-Templates + kleine Anpassungen reichen meist. Die großen Individualitäten könnt ihr später nachziehen, wenn Geld da ist.