Hey zusammen, ich stecke gerade in einer Phase, wo ich mein SaaS-Produkt (Projektmanagement-Tool für kleine Teams) weiterentwickle und merke, dass ich bei der Feedback-Sammlung ins Grübeln komme.
Bei meinen B2B-Kunden (ca. 15 bezahlte User) bekomme ich sehr spezifische, oft sogar widersprüchliche Feature-Requests. Der eine will unbedingt Slack-Integration, der andere braucht das überhaupt nicht, sondern nervt sich über unsere komplexe Onboarding-Experience. Bei B2C-Projekten, die ich früher kannte, war es einfacher: Viele User mit ähnlichen Problemen = Feature ins Backlog.
Meine Frage: Wie unterscheidet sich die Herangehensweise an Feedback wirklich? Brauche ich bei B2B weniger User, um eine Feature zu rechtfertigen, oder sollte ich ganz anders an die Priorisierung herangehen? Und wie balanciere ich das, wenn ich nebenberuflich Zeit-begrenzt bin?
Interessiert mich auch, wie ihr das bei der Teamaufbau-Phase handhabt – gibt es da Standard-Prozesse, die sich bewährt haben?
T.Hoffmann94, aus meinen 20 Jahren im Produktmanagement kann ich dir hier was Wichtiges mitgeben: B2B-Feedback ist tückischer, weil es qualitativ besser wirkt, aber tatsächlich oft weniger repräsentativ ist.
Du hast 15 zahlende User. Das ist für B2B eigentlich eine gute Basis, aber jeder einzelne hat überproportionales Gewicht. Mein Tipp: Unterscheide zwischen "Das nervt einen Power-User" und "Das ist ein strukturelles Problem für die Kategorie". Nur das zweite sollte ins Sprint-Backlog.
Wie machst du das konkret? Hole dir bei neuen Feature-Requests eine zweite Meinung von mindestens zwei weiteren Kunden ein, bevor du entwickelst. Klingt aufwändig, spart dir aber Entwicklungs-Zeit und verhindert, dass du Features baust, die nur einer braucht.
Und ja – die Onboarding-Kritik sollte dir höher priorisieren als Slack-Integration. Das ist langfristig ein Gewinn-/Verlust-Faktor bei Akquisition. Ähnlich wie bei der Mitarbeiter-Entwicklung – grundsätzliche Infrastruktur schlägt Spezial-Wünsche.
Gute Frage. Der große Unterschied: In B2B kauft oft eine Person (Entscheider) für viele, in B2C kauft jeder selbst. Das heißt konkret – ein Feature-Request von deinem Kunden kann für 10-20 Leute relevant sein, die du nie sprichst. Umgekehrt: Ein Request kann auch völlig idiosynkratisch sein.
Mein Ansatz: Priorisiere nach Schmerz-Häufigkeit (wie viele deiner Kunden haben das Problem?) UND Geschäftsimpact (verlieren wir Kunden ohne diese Feature?). Eine Slack-Integration bringt dir vielleicht einen Deal, Onboarding rettet dir drei. Das ist deine erste Entscheidung.
Beim Nebenaufbau: Führe regelmäßig (monatlich) strukturierte Calls mit 3-5 Key-Kunden. 30 Minuten, klare Fragen. Dann synthesize, nicht jeder Request wird umgesetzt. Das spart Zeit gegenüber chaotischem Feedback-Sammeln.