Hi zusammen,
wir stehen kurz vor ersten ernsthaften Investorengesprächen und ich merke, dass das Thema Due Diligence für mich noch ein großes Fragezeichen ist. Bisher haben wir uns hauptsächlich auf unser Produkt und den Markt konzentriert, aber jetzt wird es ernst.
Was muss ich alles vorbereiten? Ich höre immer wieder von "Datenräumen" und endlosen Dokumentenlisten. Unser Anwalt meint, wir sollten schon jetzt anfangen alles zu sammeln, auch wenn die konkrete Due Diligence erst später startet.
Besonders unsicher bin ich bei:
- Welche Verträge müssen alle rein? Auch die kleinsten Lieferantenverträge?
- Wie detailliert müssen Finanzprognosen sein?
- Was ist mit IP-Dokumentation? Wir haben keine Patente, aber eigene Software entwickelt
- Compliance-Nachweise - was genau wird da erwartet?
Plan ist, die Sommerzeit zu nutzen um alles ordentlich aufzusetzen, bevor es im Herbst richtig losgeht. Hat jemand eine praktische Checkliste oder kann aus Erfahrung sagen, wo die häufigsten Stolpersteine liegen?
Vielen Dank schonmal!
Hallo Andreas,
aus meiner Beratungstätigkeit kann ich bestätigen: Die Vorbereitung ist entscheidend. Eine systematische Herangehensweise spart später viel Zeit und Nerven.
Zur Strukturierung empfehle ich das klassische VDR-Schema (Virtual Data Room):
1. Corporate/Legal: Gesellschaftsverträge, Handelsregisterauszüge, Beschlüsse, Cap Table
2. Financial: GuV der letzten 3 Jahre, Bilanz, BWAs, Management Accounts, Cashflow-Prognosen
3. Commercial: Wichtigste Kundenverträge, Lieferantenverträge (>25k), Partnerschaften
4. HR: Arbeitsverträge Schlüsselpersonal, Organigramm, Equity-Programme
5. IP/Technology: Quellcode-Dokumentation, Domain-Registrierungen, Markenrechte, Entwicklungsverträge
6. Compliance: Datenschutz-Dokumentation, Audit-Reports falls vorhanden
Wichtiger Punkt: Vollständigkeit ist wichtiger als Perfektion. Lieber ehrlich kommunizieren wenn etwas fehlt, als später "Überraschungen" zu haben.
Für Software-Startups ist besonders die Clean-IP-Dokumentation kritisch - alle Contributors müssen dokumentiert sein.
Servus Andreas,
wie die anderen schon sagten - je früher desto besser. Aus Tech-Sicht noch ein wichtiger Ergänzung: Security und Infrastructure Documentation wird immer wichtiger.
Besonders wenn ihr B2B macht, wollen Investoren wissen:
- Wie ist eure IT-Security aufgestellt?
- Backup & Disaster Recovery Konzepte
- Abhängigkeiten zu Third-Party Services (AWS, etc.)
- Code Quality Metrics wenn vorhanden
Und falls ihr schon SOC2 oder ISO27001 Zertifizierung habt - das ist Gold wert im DD Prozess. Falls nicht, zumindest ne Basic Security Policy dokumentieren.
Bei der Gelegenheit: Hier hatte ich mal über Banking-Dokumentation geschrieben - passt auch zur DD-Vorbereitung.
Moin zusammen,
wichtige Ergänzung zu den bisherigen Punkten: International skalierbare Startups sollten auch gleich an Cross-Border Compliance denken.
Wenn ihr plant international zu expandieren (was die meisten VC-finanzierten Startups tun), dann dokumentiert jetzt schon:
- Welche Märkte sind geplant?
- Regulatory Requirements in Zielmärkten
- Transfer Pricing Policies falls ihr schon internationale Strukturen habt
- Export Control / Sanctions Compliance je nach Produkt
Viele Investoren schauen heute schon bei der ersten Runde auf internationale Skalierbarkeit. Da hilft es wenn man zeigen kann dass man mitgedacht hat.
Ansonsten: Nutzt den Sommer wirklich - September/Oktober wird wieder hektisch!
Moin Andreas,
kann dir aus eigener Erfahrung sagen - am besten früh anfangen! Wir haben damals den Fehler gemacht und erst kurz vor der DD angefangen zu sammeln. War dann totaler Stress.
Zu deinen Fragen:
- Verträge: Alles ab 10k Euro Volumen definitiv, kleinere nur wenn strategisch wichtig
- Finanzprognosen: 3-Jahres-Plan mit monatlicher Aufschlüsselung fürs erste Jahr
- Software-IP: Alle Entwicklerverträge, Work-for-Hire Agreements, Open Source Lizenzen dokumentieren
- Compliance: Je nach Branche, aber Datenschutz (DSGVO), Arbeitsrecht basics, Steuerliche Nachweise der letzten 3 Jahre
Mein Tipp: Leg dir gleich ne digitale Struktur an. Wir nutzen ne einfache Dropbox-Struktur mit Unterordnern wie "Legal", "Financial", "Commercial", "HR", "IP/Tech". So findest du später alles schnell wieder.
Und ja, Sommer ist perfekt dafür. Da ist eh weniger los bei den Investoren.