Hey zusammen,
ich beschäftige mich schon eine Weile mit einer Geschäftsidee und entwickle sie derzeit nebenher. Es geht um ein B2B-SaaS-Tool für HR-Onboarding, aber ehrlich gesagt weiß ich nicht so richtig, ab welchem Punkt ich das Ganze als "Startup" bezeichnen darf und wann es Zeit wird, richtig einzusteigen.
Meine Frage: Wo ist eigentlich die Grenze? Brauche ich Gründungspapiere, die ersten Kunden, einen Businessplan oder einfach nur ein funktionierendes MVP? Aus meiner Erfahrung in der VC-Branche sehe ich täglich, wie unterschiedlich Gründer das handhaben – manche bootstrappen wild, andere warten bis zur Seed-Runde, bevor sie sich "offiziell" als Startup verstehen.
Wann habt ihr den Punkt erreicht, an dem ihr gedacht habt: "Jetzt wird das ernst"? War das emotional, wirtschaftlich oder rechtlich definiert? Und – noch wichtiger – hat der Zeitpunkt im Jahr dabei eine Rolle gespielt? Ich merke, dass die Sommermonate bei vielen Founders eher zum Reflektieren führen als zum Handeln.
Freue mich auf echte Erfahrungen!
Sehr gute Frage. Aus meiner Sicht in der Community-Arbeit mit Startups: Der Punkt kommt, wenn du das erste Mal richtig Feedback von echten Nutzern bekommst, nicht von Freunden. Das ist für mich das Zeichen, dass aus "ich hab ne Idee" ein echtes Projekt wird.
Bei der Seed-Runde-Frage, die ich hier mal gestellt habe, hat sich mir auch gezeigt: Viele Gründer denken, Gründung = Kapital. Stimmt nicht. Gründung = erste Zahler, selbst wenn es nur drei sind.
Zum Sommer: Ja, viele machen jetzt Pause. Das ist völlig normal. Aber wer trotzdem weiterarbeitet, hat oft den Vorteil, dass die Konkurrenz gerade nicht so aktiv ist.
Kleine Anmerkung: Der Begriff "Startup" ist längst zu einem Buzzword verkommen. Wichtiger als die Bezeichnung ist, ob du ein Problem löst, das Menschen bezahlen. Alles andere – Gründungsurkunde, Seed-Runde, schicker Pitch Deck – ist sekundär. Ich sehe zu oft Gründer, die mit "wir sind ein Startup" anfangen statt mit "unsere Kunden zahlen uns". Das ist alter Wein in neuen Schläuchen.
Ich komm gerade selbst aus so ner Phase der Neuorientierung – 15 Jahre weg vom Unternehmertum, jetzt wieder rein. Meine Erkenntnis: Es gibt keinen "magischen Moment". Ich habe angefangen, mein Geschäft zu skalieren, und dabei gemerkt: Gründung ist das, was du dafür brauchst, um überhaupt zu starten.
Was sich seit meiner ersten Gründung geändert hat: Die Hürden sind niedriger. Du kannst heute mit einem MVP und drei Kunden schon viel lernen, das früher unmöglich war. Insofern: Die Idee wird zum Startup, wenn du bereit bist zu handeln, nicht zu planen. Die Paperwork kommt dann quasi von selbst.
Bei dir im HR-Tools-Bereich würde ich sagen: Eine Handvoll reale Kunden, dann ist es ein Startup.