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Wann Excel zur Belastung wird: Ein ehrlicher Leitfaden zur Wahl der ersten Buchhaltungssoftware

Es ist kurz nach 23 Uhr an einem Dienstag im Februar. Auf dem Schreibtisch liegt ein Stapel Eingangsrechnungen, daneben ein Laptop mit einer geöffneten Excel-Datei, deren Tabs sich längst nicht mehr lesen lassen. „Buchhaltung_final_v3_NEU” heißt das Dokument, und es war ursprünglich für die ersten drei Monate gedacht. Jetzt ist das zweite Geschäftsjahr fast halb herum, der Steuerberater hat zum dritten Mal nach den Belegen für das vierte Quartal gefragt, und irgendwo zwischen Zeile 847 und 932 hat sich ein Formelfehler eingeschlichen, der die Umsatzsteuer um einen dreistelligen Betrag verschiebt. Die Wahrheit ist: So beginnt für die meisten Gründer der Moment, in dem sie zum ersten Mal ernsthaft über eine Buchhaltungssoftware nachdenken. Nicht, weil sie ein neues Tool wollen, sondern weil das alte System nicht mehr trägt. Der Markt wirkt dann wie ein undurchdringlicher Dschungel: DATEV, Lexware, sevDesk, lexoffice, BuchhaltungsButler, FastBill, Candis, und jedes Tool verspricht, alles einfacher zu machen. Wer sich hier nicht verlieren will, braucht keine Verkaufsbroschüre, sondern eine nüchterne Orientierung.

Warum der Zeitpunkt zählt bei der Wahl der Buchhaltungssoftware

Buchhaltung in Excel funktioniert erstaunlich lange. Das ist Teil des Problems. Solange nur wenige Rechnungen pro Monat geschrieben werden und die Belegmenge überschaubar bleibt, lässt sich eine Tabelle pflegen, ohne dass etwas auffliegt. Der Bruch kommt selten als Katastrophe, sondern schleichend: Die Umsatzsteuervoranmeldung wird zur monatlichen Zitterpartie, weil sich Beträge nicht mehr sauber zuordnen lassen. Belege gehen verloren, weil sie zwischen E-Mail-Postfach, Dropbox und Schreibtischschublade verteilt sind. Die Liquidität wird zum Bauchgefühl, weil niemand mehr sagen kann, welche Rechnungen tatsächlich offen sind und wann das Geld kommt. Studien zur Selbstständigkeit in Deutschland gehen davon aus, dass Solo-Unternehmer ohne strukturierte Buchhaltung im Schnitt zwischen vier und sieben Stunden pro Woche mit Verwaltungsaufgaben verbringen, die sich automatisieren ließen. Auf ein Jahr gerechnet sind das mehrere volle Arbeitswochen, die in der Steuererklärung, im Belegchaos und in der Suche nach falschen Zellbezügen verschwinden. Wer den Übergang zu spät vollzieht, zahlt diesen Preis doppelt: einmal durch die verlorene Zeit und ein zweites Mal durch die Korrekturkosten beim Steuerberater, der die Daten aus Excel mühsam für DATEV aufbereiten muss.


Was eine Buchhaltungssoftware wirklich können muss

Wer einmal anfängt, Tools zu vergleichen, stößt schnell auf Featurelisten mit dreißig Punkten. Die meisten davon sind irrelevant. Worauf es ankommt, lässt sich auf eine Handvoll Kriterien reduzieren. An erster Stelle steht die GoBD-Konformität, also die Einhaltung der Grundsätze ordnungsmäßiger Buchführung in elektronischer Form. Ohne diese Zertifizierung ist die Software für deutsche Verhältnisse nicht ernsthaft nutzbar. Genauso wichtig ist eine funktionierende DATEV-Schnittstelle, weil über kurz oder lang der Steuerberater die Daten übernehmen muss und manuelle Übergaben jedes Mal Geld kosten. Der automatische Bankabgleich ist das Feature, das am meisten Zeit spart: Wenn das Tool Transaktionen vom Geschäftskonto automatisch importiert und Vorschläge zur Verbuchung macht, verkürzt sich die Buchhaltung von Stunden auf Minuten pro Woche. Die mobile Belegerfassung per Smartphone klingt nach Spielerei, ist aber in der Praxis entscheidend, weil Tankquittungen und Restaurantbelege im Alltag sonst untergehen. Hinzu kommt die Frage der Skalierbarkeit der Tarife: Ein Tool, das in der Einstiegsversion günstig wirkt, aber bei der ersten Mitarbeiterin teuer wird, ist kein guter Begleiter. Schließlich der entscheidende Punkt: Ist die Software für die Einnahmen-Überschuss-Rechnung gebaut oder für die doppelte Buchführung? Die Einnahmen-Überschuss-Rechnung, kurz EÜR, ist die einfachere Methode und für die meisten Freiberufler und kleinen GbRs ausreichend. Sie stellt Einnahmen und Ausgaben gegenüber, mehr nicht. Die doppelte Buchführung dagegen ist für Kapitalgesellschaften wie die GmbH oder UG verpflichtend und arbeitet mit Soll und Haben, Bilanz und Gewinn-und-Verlust-Rechnung. Wer eine GmbH gegründet hat, braucht zwingend ein Tool, das doppelte Buchführung unterstützt; wer als Freiberufler arbeitet, kommt mit der einfacheren Variante aus und sollte sich nicht mehr Komplexität einkaufen, als er braucht.

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Das Verhältnis zum Steuerberater verändert sich durch Buchhaltungssoftware

Eine der hartnäckigsten Annahmen unter Gründern lautet: Eine gute Buchhaltungssoftware macht den Steuerberater überflüssig. Das ist falsch und gefährlich. Was eine gute Software tatsächlich leistet, ist die Verlagerung der Routinearbeit. Belege werden vorerfasst, Bankbewegungen automatisch zugeordnet, Auswertungen liegen jederzeit bereit. Der Steuerberater muss die Daten nicht mehr aufbereiten, sondern prüft und korrigiert nur noch. In der Praxis senkt das die monatlichen Honorare spürbar, weil weniger Stunden für manuelle Übergaben anfallen. DATEV-kompatible Exporte sind hier der entscheidende Mechanismus: Die Software erzeugt eine Datei in dem Format, das die Kanzlei direkt in ihr System importieren kann, ohne Konvertierung und ohne Rückfragen. Das klingt technisch, ist aber in der Zusammenarbeit Gold wert. Wichtig ist allerdings, dass die Wahl der Software nicht im Alleingang fällt. Viele Steuerberater haben Präferenzen, und manche akzeptieren nur bestimmte Lösungen, weil sich der Aufwand für die Kanzlei sonst nicht rechnet. Wer eine Software anschafft, ohne vorher mit dem Steuerberater gesprochen zu haben, riskiert, dass die Daten am Ende des Jahres trotzdem manuell übertragen werden müssen. Ein zehnminütiges Telefonat vor der Entscheidung erspart später Wochen an Frust.

Die Fehler, die fast jeder bei der Einführung von Buchhaltungssoftware macht

Es gibt eine vorhersehbare Liste an Fehlern, die Gründer bei der Einführung einer Buchhaltungssoftware begehen, und ich habe sie alle selbst gemacht. Der erste ist der Versuch, von Tag eins an alle Funktionen zu nutzen: Projekterfassung, Mahnwesen, Lagerverwaltung, Anlagenbuchhaltung. Das Ergebnis ist Überforderung und ein halbgepflegtes System. Sinnvoller ist es, mit dem Bankabgleich und der Belegerfassung anzufangen und den Rest schrittweise dazuzunehmen. Der zweite Klassiker ist die Disziplinlücke: Die Software ist eingerichtet, aber Belege werden trotzdem gesammelt und dann in einer langen Sitzung am Quartalsende nachgepflegt. Damit ist der größte Vorteil der Automatisierung verloren, denn nichts an einer Buchhaltungssoftware funktioniert besser, wenn sie nur viermal im Jahr geöffnet wird. Der dritte Fehler ist subtiler: Viele schaffen die Software an und investieren dann keine Zeit in die Einrichtung. Kontenrahmen werden nicht angepasst, wiederkehrende Buchungen nicht angelegt, der Steuerberaterzugang nicht eingerichtet. Drei Monate später hat das Tool die gleichen Probleme wie die alte Excel-Tabelle, nur teurer. Wer ehrlich mit sich ist, plant für die Einrichtung einen halben bis ganzen Arbeitstag ein und nimmt sich diese Zeit auch wirklich.

Passend dazu haben wir einen weiteren Beitrag zum Thema: Buchhaltung.


Der nächste Schritt zur passenden Buchhaltungssoftware

Wer nach diesem Artikel weiß, dass es Zeit wird, sollte nicht sofort ein Abonnement abschließen. Der erste Schritt ist das Gespräch mit dem eigenen Steuerberater: Welche Software akzeptiert die Kanzlei, welche bevorzugt sie.

Häufig gestellte Fragen

Warum ist Buchhaltungssoftware besser als Excel?

Buchhaltungssoftware bietet Automatisierung und reduziert Fehler. Sie spart Zeit und sorgt für eine strukturierte Buchführung, die Excel oft nicht leisten kann.

Welche Funktionen sind bei Buchhaltungssoftware wichtig?

Wichtige Funktionen sind GoBD-Konformität, DATEV-Schnittstelle, automatischer Bankabgleich und mobile Belegerfassung. Diese erleichtern den Buchhaltungsprozess erheblich.

Wie beeinflusst Buchhaltungssoftware die Zusammenarbeit mit dem Steuerberater?

Die Software reduziert die Routinearbeit und ermöglicht dem Steuerberater, sich auf die Prüfung und Korrektur zu konzentrieren, was die Kosten senken kann.

Wann sollte man von Excel auf Buchhaltungssoftware umsteigen?

Sobald die Belegmenge wächst und Excel unübersichtlich wird, ist es Zeit, auf Buchhaltungssoftware umzusteigen, um Zeit und Nerven zu sparen.

Welche Fehler sollten bei der Einführung von Buchhaltungssoftware vermieden werden?

Vermeiden Sie es, alle Funktionen sofort zu nutzen, und investieren Sie Zeit in die richtige Einrichtung der Software, um Überforderung zu vermeiden.

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