Hallo zusammen,
ich bin gerade in einer interessanten Situation: Bei meinem Aufbau von Recruiting-Prozessen in verschiedenen Startups merke ich, dass ich zwei sehr unterschiedliche Arbeitsphasen habe. Die eine ist hochgradig strukturiert – Prozesse dokumentieren, Checklisten erstellen, Zeitpläne koordinieren. Da funktioniert für mich klassische Planung perfekt.
Aber dann gibt es diese Phasen, in denen ich strategisch denken muss – wie baue ich ein ganzes Team auf, welche Kultur sollen wir haben, wie gestalte ich komplexe HR-Strukturen für Startups, die noch gar nicht wissen, wohin sie gehen? Da fühle ich mich von zu viel Struktur gelähmt.
Ich habe das Gefühl, dass eine einzige Produktivitätsmethode für beide Phasen nicht funktioniert. Manche Tage brauche ich Pomodoro und Getting Things Done, andere Tage brauche ich einfach einen großen Block Zeit und Raum zum Nachdenken.
Wie handhabet ihr das? Passt ihr eure Methode je nach Projektphase an, oder habt ihr ein System gefunden, das flexibel genug ist? Besonders interessiert mich, wie ihr zwischen diesen zwei Modi wechselt, ohne euch selbst zu verlieren.
Danke für eure Gedanken!
Kurz und ehrlich: Ich nutze konsequent Timeboxing und wechsle nicht zwischen den Modi – ich plane bewusst Wochen ein, in denen eine Art überwiegt. Macht weniger Sinn, täglich hin und her zu springen.
Sabine, das ist ne sehr gute Beobachtung! Ich hatte ähnliche Probleme, als ich meine erste Mitarbeiterin eingestellt habe – damals ging es ja auch um realistische Kalkulationen, aber die Planung dafür war totale Detailarbeit, während ich gleichzeitig die ganze Strategie im Kopf klären musste.
Mein Ansatz: Ich nutze unterschiedliche "Tage-Typen". Montag und Mittwoch sind meine "Struktur-Tage" – da hole ich mir alles aus der Backlog-Hölle und mache die nervige Detailarbeit. Dienstag und Donnerstag sind "Think Days" – da sind Calls, strategische Überlegungen, kein Zeitdruck. Freitag ist dann Puffer und Reflexion.
Das funktioniert nur, weil mein Team gelernt hat, dass ich nicht ständig verfügbar bin. Aber dafür bin ich in den richtigen Momenten 100% präsent.
Interessante Frage. Bei meinem Übergang vom klassischen Mittelstand zur digitalen SaaS-Welt bin ich auch auf dieses Problem gestoßen. Meine Erfahrung: Die Lösung ist nicht, zwei verschiedene Methoden zu haben, sondern eine Methode zu wählen, die beide Modi unterstützt.
Ich verwende einen modifizierten OKR-Ansatz – das gibt mir die Struktur (klare Ziele), aber auch den Raum (wie ich sie erreiche, bleibt flexibel). Die Detailarbeit zur Erreichung lagere ich in wöchentliche "Umsetzungs-Sprints", die strategischen Fragen landen in einem monatlichen "Design-Block".
Das Wichtigste: Den Wechsel nicht täglich machen. Dein Gehirn braucht Zeit, um zwischen Modi zu switchen. Alle 1-2 Wochen ist realistischer.
Sabine, aus meiner Erfahrung – und ich habe über 40 Jahre verschiedenste Arbeitsweisen durchlebt – funktioniert das best, wenn du deine natürlichen Rhythmen respektierst und nicht gegen sie arbeitest.
Manchmal braucht es in der strategischen Phase auch Input und Austausch. Haben deine jungen Gründer, die du beim Teamaufbau berätst, nicht auch oft genau diese zwei Phasen? Vielleicht kannst du von ihren Lösungen lernen – oder noch besser: Sie helfen dir, die richtige Balance zu finden, während du ihnen beim Aufbau hilfst.
Mein Tipp: Versuche nicht, eine universelle Methode zu finden. Besser wäre es, beide Arbeitsweisen zu akzeptieren und einfach klar zu kommunizieren, wann du in welchem Modus bist. Das nimmt viel Druck raus.